Kunstwerk: untitled – Christopher Schröder. Foto: Fabian Thüroff
Der Workshop „Von Nano zu Kunst: Physik als experimentelles Material“
Was passiert, wenn Physik auf Kreativität trifft?
In diesem Workshop erforschten Studierende physikalische Phänomene und verwandelten sie in ihre eigene künstlerische Praxis. Die Labore des MAIN Research Centers in Chemnitz dienten dabei sowohl als Inspiration als auch als Ausgangsmaterial, das die Teilnehmenden in vielfältige künstlerische Formen übersetzten.
In interdisziplinären Teams entwickelten die Studierenden Experimente mit analogen und digitalen Medien, Video, Sound, Performance und Installation. Unter der Anleitung der künstlerischen Mentorin Sanja Star überführten sie wissenschaftliche Konzepte in originäre künstlerische Ausdrucksformen und verbanden unterschiedliche Perspektiven und Ansätze, um unerwartete Verbindungen zwischen Kunst und Wissenschaft sichtbar zu machen.
Vorstellung der Kunstwerke
Fotografien von Fabian Thüroff.
Untitled – Christopher Schröder
Ich bin Maler. Farbe ist mein Ausgangspunkt und mein Werkzeug, um Wahrnehmung zu erforschen. Mich interessiert, wie sich Malerei verändert, wenn Licht, Bewegung oder Zeit ins Spiel kommen. In meinen Arbeiten geht es oft um Übergänge – um jene Momente, in denen etwas kippt, sich öffnet oder neu zusammensetzt.
Die Lichtbilder sind eine Erweiterung dieser Suche. Sie entstehen aus denselben Fragen wie meine Malerei – nur mit anderen Mitteln. Licht wird zur Farbe, Bewegung zum Pinselstrich. Am Ende geht es immer um denselben Kern: den Augenblick, in dem etwas sichtbar wird – und wieder verschwindet.
Layers of Connection – Vanessa Rucks
Das Triptychon Layers of Connection erkundet die feinen Verbindungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Menschlichkeit.
Eine menschliche Figur entsteht aus ultraviolettem Licht – wie mikroskopische Strukturen auf einem Wafer formt sie sich aus reiner Energie. Goldenes Licht sinkt herab wie leuchtender Staub, getragen von geladenen Partikeln.
Ihre Hand – Schicht für Schicht durch Galvanisierung gewachsen – entflieht der Laborumgebung und berührt beinahe die Hand eines alten Mannes. Ihre Begegnung erinnert an das Zusammenspiel von Anode und Kathode im Inneren eines Mikrobatterie-Prototyps.
In ihrer Nähe blickt ein Kind nach vorn – neugierig, hoffnungsvoll, offen für das, was noch entstehen mag.
adesse (capacitive interconnection) – Lino Angermann
Elektrostatisches Feld, 50kV Hochspannungsgenerator, Transformator, Aluminiumplatten, MDF, Fiberglasgewebe
Lino Angermanns künstlerische Praxis besteht darin, in bestehende Räume einzugreifen, ihre Strukturen zu verändern und Situationen zu schaffen, in denen physische und psychische Erfahrungsräume entstehen.
Die Arbeit Adesse inszeniert eine Konfrontation des Betrachters mit einem elektrostatischen Teilraum. Der Betrachter steht auf einer Aluminiumplatte, gegenüber einer Platte, die mit 50.000 Volt Spannung pulsiert. Er wird Teil eines unsichtbaren Feldes. Das Feld erzeugt eine Präsenz, die den Raum und subtil auch den menschlichen Körper durchdringt.
science is a remix (demo) – Walter Grunt
Ein Satz aus Jenny Holzers Truisms (1978) wurde im Mikrometermaßstab in Solnhofener Kalkstein lithographiert. Die Photolithographie, eine Schlüsseltechnologie der Mikrochipproduktion, geht auf den deutschen Künstler Alois Senefelder zurück, der bereits vor fast 200 Jahren mit demselben Gestein experimentierte. Um die Gravur sichtbar zu machen, wurden Aufnahmen mit einem Elektronenmikroskop angefertigt.
Die Arbeit reflektiert historische Kontinuitäten technologischer Innovation. Sie ist zugleich eine Hommage an unsere kreativen Vorfahren und das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Künstlerinnen, die gemeinsam neue Felder erkunden. „A lil knowledge can go a long way.“ – eine eindrückliche Erinnerung daran, wie fruchtbar es ist, auf den Ideen anderer Disziplinen aufzubauen, um Neues zu schaffen.
Diese Arbeit ist ein Liebesbrief an die Remix-Kultur, die den Künstler geprägt hat.
Untitled – Tim Abels
Die Trübung von vier Hefekulturen wird kontinuierlich mit Sensoren überwacht. Zwei der Kulturen sind dabei Schallfrequenzen ausgesetzt, die in Echtzeit durch die gemessenen Parameter aller vier Zellkulturen moduliert werden.
…0.0000000001… – Youshin Gim
Piano Aufführung mit kleiner Elektronik
Dieses Projekt begann mit dem Thema „Nano“. Diese winzigen Partikel sind oft kaum sichtbar – selbst unter dem Mikroskop. Die Arbeit übersetzt mikroskopische Bewegungen in Klang – eine Transformation vom Sichtbaren ins Hörbare.
Die entstehenden Klänge sind keine wohlgeformten oder harmonischen Kompositionen wie in Pop- oder klassischer Musik. Stattdessen erinnern sie an Naturgeräusche und die Ästhetik der Musique Concrète: Klänge aus unkonventionellen Materialien wie Rauschen und Umgebungsresonanzen. Indem die verborgenen Klänge des Hintergrunds wahrnehmbar gemacht werden, entfaltet das Werk verschiedene Schichten und Klangfarben, die durch zwei Instrumente – Laptop und Fortepiano – erzeugt werden, und lädt die Hörenden ein, in die Körnung des Klangs einzutauchen.
Folding Field – Sanja Star
Folding Field erforscht, wie physische Energie in eine wahrnehmbare Erfahrung übersetzt werden kann. Das Projekt basiert auf Forschungen zu Nanomembranen, die den autonomen „Smartlet“-Mikrorobotern zugrunde liegen – ultradünne, mehrschichtige Systeme, die sich zu dreidimensionalen Mikrostrukturen falten und Elektronik, Photonik sowie Sensorik integrieren.
Schichten aus transluzentem Gewebe, durchsetzt mit reaktivem Licht, reagieren auf Bewegung und Nähe, während Klänge – abgeleitet aus Aufnahmen elektromagnetischer Felder in den Laboren des MAIN – die Arbeit in eine klangliche Dimension erweitern. Folding Field positioniert den Körper als sensibles Interface in einem Umfeld energetischer und informationeller Austauschprozesse.
Untitled – Ludwig Sonntag und Christopher Schröder
Die Werke präsentieren die aus den Workshops hervorgegangenen künstlerischen Experimente und Ergebnisse, welche auf den High-Tech-Laboren, Materialien und Kernkompetenzen der drei Forschungszentren der TU Chemnitz – TU MAIN, TU MERGE und TU MeTech – basieren. FUNKEN Akademie bedankt sich bei TU Chemnitz für die Kooperation.























